Max Zollinger (1886–1967)

Abstract

Max Zollinger (1886–1967) bekleidete von 1929–1955 die Professur für Mittelschuldidaktik an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Er war der erste Inhaber dieser Professur und engagierte sich in seiner Zeit vor allem für die Stärkung der allgemeinen Didaktik.

Max Zollinger (1886–1967) bekleidete von 1929–1955 die Professur für Mittelschuldidaktik an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Er war der erste Inhaber dieser Professur und engagierte sich in seiner Zeit vor allem für die Stärkung der allgemeinen Didaktik.

Nach der Mittelschule am kantonalen Zürcher Gymnasium studierte Μαx Zollinger Germanistik in Zürich und Berlin. Er promovierte 1909 mit Prädikat magna cum laude im Hauptfach Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, das er mit den Nebenfächern Schweizergeschichte und Psychologie ergänzte. Bevor er 1913 zum Lehrer für Geschichte und Deutsch am kantonalen Gymnasium in Zürich gewählt wurde, absolvierte er an der gleichen Schule mehrere Vikariate. Ab dem Wintersemester 1916/17 erfüllte er semesterweise Lehraufträge für die «Didaktik des Unterrichts im Deutschen» an der Universität Zürich und habilitierte 1926 zum Thema «Das literarische Verständnis der Jugend und der Bildungswert der Poesie». 1929 erfolgte die Berufung zum ausserordentlichen Professor für Didaktik durch den Zürcher Regierungsrat auf Vorschlag des Dekans der philosophischen Fakultät I.

Die Wahl war eng verknüpft mit der Gewichtung der allgemeinen Didaktik zu Lasten der «speziellen Didaktik». Letztere umfasste die Lehren des Unterrichts in den einzelnen Schulfächern und entsprach in etwa dem, was heute als Fachdidaktik bezeichnet wird. Eine Priorisierung, die den Präferenzen Zollingers entsprach. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand die höhere Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Universität Zürich hauptsächlich aus Kursen zur «speziellen Didaktik» einzelner Fächer. Zollinger (1926) monierte eine dadurch stattfindende «Zerfaserung» des Mittelschulunterrichtes. Deshalb trat er für Kurse ein, in welchen sich alle künftigen Lehrer/innen gemeinsam über die «allgemeinen Probleme des Mittelschulunterrichts» bilden würden und so dem «zusammenhangslosen Unterrichten der Einzelfächer» entgegengewirkt würde. Da die Thematisierung dieser Probleme auf wissenschaftliche Art und Weise zu erfolgen hätte, sollten die Kurse an der Universität stattfinden. Die Forderung nach Wissenschaftlichkeit war bei Zollinger jedoch nicht verbunden mit einer Entfernung von der Unterrichtspraxis. Mit seinem Anliegen, auch während des Engagements als Universitätsdozent auf Mittelschulstufe weiter zu unterrichten und stetig neue Erfahrungen zu sammeln, entsprach er auch dem Wunsch der Mittelschule nach einer Verbindung mit der Ausbildung des höheren Lehramtes (AB.1.1175, 14.12.1929). Die Mittelschullehrpersonen sollten gleichzeitig Vermittler und Gelehrte sein (Zollinger, 1926).

Max Zollingers vertrat die Ansicht, dass Mittelschullehrpersonen gleichzeitig sowohl Gelehrte als auch Lehrer sein sollten. Dieser Vorstellung entsprach die Forderung, dass Studenten schon während des Fachstudiums Gelegenheit zum Kontakt mit der Mittelschulpraxis erhalten sollten. Der Balanceakt zwischen den beiden Aufgaben sah er als eine der wesentlichen Herausforderungen des Berufs an.

1944 wurde die ausserordentliche Professur durch Beschluss des Zürcher Regierungsrates in ein ordentliches Ordinariat umgewandelt. Dies gab Zollinger unter anderem die Möglichkeit, seine Vorlesung über die pädagogische Psychologie des Jugendalters auszubauen, eine weitere über das schweizerische Mittelschulsystem einzuführen und Kolloquien über Praxisprobleme abzuhalten (AB.1.1175, 28.9.1944).

Mit dem Beschluss einher ging die Reduktion seines Lehrpensums am Gymnasium auf 7 Lektion pro Woche. Von dieser Anstellung trat er 1950 aus gesundheitlichen Gründen vollständig zurück (AB.1.1175, 31.8.1950). Der Universität blieb er noch fünf weitere Jahre verpflichtet, bis er 1955 in den Ruhestand entlassen und gleichzeitig zum Honorarprofessor ernannt wurde.

Im Anschluss daran zeigte sich, wie sehr die Professur auf seine Person zugeschnitten war. So wurde die Stelle nach seinem Rücktritt auf das ursprüngliche Pensum reduziert und in dieser Form seinem Nachfolger Dr. Carl Helbling übergeben.

Max Zollinger ist am 14. März 1967 gestorben.

Von Max Zollinger betreute Dissertationen an der Universität Zürich im Bereich Pädagogik

1938

Keller, Hans

Jugend und Erziehung in der modernen deutschen Dichtung

1952

Margrit, Felix

Der neusprachliche Unterricht an der staatlichen Mittelschule des dreisprachigen Kantons Graubünden.

Vgl. Dissertationsdatenbank 1899-1955

Literatur und Quellen

UZH Archiv (UAZ)

AB.1.1175, Dozierendendossier Max Zollinger, Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrats, 14.12.1929.

Ebd., Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrats, 28.9.1944.

Ebd., Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrats, 31.8.1950.

Zollinger, M. (1926). Die Ausbildung der Mittelschullehrer durch die Universität. Schweizerische Pädagogische Zeitschrift, 36, 103-114.

Autorenschaft

Reto Fessler

Zeitmarke

1944