Carl Helbling (1887–1966)

Abstract

Dr. Carl Helbling (1887–1966) war von 1955 bis 1963 ausserordentlicher Professor für Allgemeine Didaktik an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich.

Carl Helbling wurde 1987 in Rapperswil als Sohn des Apothekers Justus Armand Konrad Helbling geboren. Er studierte in Zürich Germanistik und belegte die Nebenfächer Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit sowie lateinische Sprache und Literatur. In seiner Dissertation, mit der er 1921 das Studium abschloss, befasste er sich mit Thomas Mann und dessen politischen sowie philosophischen Orientierungen (NZZ, 1966). Die Arbeit mit dem Titel „Die Gestalt des Künstlers in der neueren Dichtung: eine Studie über Thomas Mann“ wurde 1922 im Seldwyla Verlag in Bern veröffentlicht.

Nach dem Studienabschluss war er als Lehrperson am Lyceum Alpinum in Zuoz tätig und hatte gleichzeitig die Stellung eines stellvertretenden Direktors inne. Sein weiterer Berufsweg führte ihn als Lehrer für Deutsch und Geschichte nach Zürich; zuerst an die Töchterschule I und dann an das Kantonale Gymnasium. Hier stieg er zum Prorektor der Realabteilung auf. Während zweier Wintersemester leitete er an der Universität Zürich als Mitarbeiter von Professor Clauss didaktische Kurse für Germanist/innen (UAZ AB.1.1175, 17.2.1955).

Im April 1955 wurde Carl Helbling schliesslich vom Zürcher Regierungsrat als Nachfolger von Max Zollinger zum Extraordinarius für Allgemeine Didaktik an die Universität berufen. Allerdings wurde der Lehrumfang im Zuge der Neubesetzung auf Antrag der Philosophischen Fakultät I stark reduziert. Sie beabsichtigte, alle Vorlesungen, mit welchen Zollinger seinen Lehrstuhl im Verlaufe seiner Amtszeit vergrössern konnte, anderen Lehrstühlen der Philosophischen Fakultät zu übergeben. Dies betraf zum Beispiel die Vorlesung über die Pädagogische Psychologie (UAZ AL.7.069, 16.11.1954).

Obwohl Helbling von der Fakultät vorgeschlagen wurde, verlief seine Wahl nicht reibungslos. So beantragte die Mehrheit des Erziehungsrates eine Verschiebung der Wahl zugunsten einer Abklärung der Notwendigkeit der Professur und schlug vor, Helbling vorerst nur einen Lehrauftrag zu erteilen (RR, 1955). Helbling entzog sich dem Willen dieses Gremiums, indem er sich nur für diesen einen Lehrauftrag nicht zur Verfügung stellte. Dies veranlasste dann auch die Zürcher Regierung, nicht auf den spezifisch formulierten Antrag des Erziehungsrates einzugehen. Auch ist zu erwähnen, dass die Fakultät für die Nachfolge Zollingers eine Auswahl von 12 Kandidaten an die Erziehungsdirektion geschickt hatte. Schliesslich wurde die Wahl von Helbling durch eine Kleine Anfrage von Ratsmitglied R. Matthias im Zürcher Kantonsrat hinterfragt: „Auf welche wissenschaftlichen Arbeiten im Gebiete der Mittelschulpädagogik stützt sich die Wahl von Dr. Carl Helbling als Professor für Mittelschulpädagogik an unserer Hochschule?“, lautete seine Anfrage (StAZH, 1955).

Während seiner Zeit als Lehrer und Extraordinarius hat sich Carl Helbing als Forscher und Literat betätigt. So verfasste er die Biographie „Ulrich Wille“ über den schweizerischen Weltkriegs-General und die Monographie „Marienfeld“. Den grössten Teil seiner Arbeit widmete er jedoch Gottfried Keller, über den er mehrere Artikel verfasste und darüber hinaus Sammelbände publizierte.

Auf Beginn des Sommersemesters 1963 trat Carl Helbling aus Altersgründen von der ausserordentlichen Professur zurück. Gleichzeitig wurde er vom Regierungsrat auf Antrag der Fakultät zum Honorarprofessor ernannt. Drei Jahre später, am 17. Juli 1966, starb Carl Helbling in Zürich (UZH, 1963).

Literatur und Quellen

UZH Archiv (UAZ)

AL.7.069, Pädagogik: Allgemeine Didaktik (1953-1955), Schreiben von Dekan Leonhard von Muralt an Erziehungsdirektion, 16.11.1954, Antrag auf Neubesetzung der Professur für Didaktik des Mittelschulunterrichts.

AB.1.1175, Dozierendendossier Max Zollinger, Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich, Sitzung vom 17.2.1955.

Staatsarchiv Zürich (StAZH), MM 24.67 KRP 1955/159/1136, Protokoll des Kantonsrates, Mitteilungen (Traktandum 1), 4. April 1955.

Universität Zürich (UZH) (1963). Universität Zürich Jahresbericht 1962/63. Zürich: Orell Füssli.

Wb. (1966, 19. Juli). Carl Helbling gestorben. Neue Zürcher Zeitung (NZZ), S. 4.

Autorenschaft

Reto Fessler

Zeitmarke

17.2.1955