Prof. em. Dr. Regula Kyburz-Graber

Abstract

Regula Kyburz-Graber war von 1998 bis 2005 ausserordentliche Professorin für Mittelschulpädagogik an der Universität Zürich, von 2005 bis 2014 ordentliche Professorin für Gymnasialpädagogik. Sie verankerte die Forschung zur Umweltbildung in der Schweiz und legte einen Schwerpunkt auf die Unterrichtsentwicklung durch die Lehrpersonen selbst. 

Regula Kyburz-Graber erwarb ihre Matura an der Kantonsschule Zürcher Oberland und studierte Biologie an der ETH Zürich. Bereits im zweiten Studienjahr unterrichtete sie an der Bezirksschule Baden. Später unterrichtete sie Biologie an verschiedenen Kantonsschulen und Lehrerbildungsinstitutionen. Das Höhere Lehramt für das Fach Biologie erwarb Regula Kyburz-Graber 1973 ebenfalls an der ETH Zürich. 1976 folgte die Promotion zum Thema: „Das Verständnis für ökologische Zusammenhänge im Wald: eine empirische Untersuchung über Lehr- und Lernbedingungen im Oekologieunterricht“ bei Prof. Dr. Hardi Fischer (Kyburz-Graber 1976). Als Oberassistentin und Lehrbeauftragte für Biologiedidaktik und Didaktik Umweltlehre an der ETH Zürich (1977–1997) setzte sie ihre fachdidaktische Forschung im Bereich der Umweltbildung fort und entwickelte das Konzept der sozio-ökologischen Umweltbildung (vgl. Kyburz-Graber et al. 1997). Während dieser Zeit gründete sie eine Familie und wurde Mutter dreier Kinder.

Professorin für Mittelschul- und Gymnasialpädagogik

Auf den 1. September 1998 wurde Regula Kyburz-Graber zur ausserordentlichen Professorin für Mittelschulpädagogik an der Abteilung Höheres Lehramt Mittelschulen der Universität Zürich gewählt. Am 1. September 2005 folgte die Beförderung zur ordentlichen Professorin für Gymnasialpädagogik am neu gegründeten Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik der Universität Zürich, dem sie von 2007-2011 als Institutsdirektorin vorstand. Ein Schwerpunkt ihrer Amtszeit war die Reform der Ausbildung für Gymnasiallehrerinnen und -lehrer im Studiengang „Höheres Lehramt Mittelschulen“ (bis 2006) zum aktuellen „Lehrdiplom für Maturitätsschulen“.

Eine Umweltbildungsforscherin der ersten Stunde

Mit der Promotion hatte Regula Kyburz-Graber Expertise im noch jungen Forschungsfeld der Umweltbildung erworben und internationale Kontakte geknüpft. Im Laufe ihrer Forschungskarriere verankerte sie diese Forschung fest in der Schweiz.

Im OECD-Projekt Environment and School Initiatives (ENSI) [https://www.ensi.org/ [02.05.2018]] vertrat Regula Kyburz-Graber die Schweiz von Beginn an als Schweizer Koordinatorin (1986–2002); sie präsidierte dieses Netzwerk von 1998 bis 2001. Internationale Anerkennung erlangten ihre Beiträge zur Umweltbildungsforschung durch den ‚Annual Award for Outstanding Contributions to Reserach in Environmental Education’ [https://naaee.org/our-work/programs/awards/outstanding-contributions-research-ee [02.05.2018]] der North American Association for Environmental Education im Jahre 2007. Regula Kyburz-Graber war die erste Preisträgerin, die nicht aus einem angelsächsisch geprägten Land stammte.

Weitere Forschungsschwerpunkte

Regula Kyburz-Graber forschte auch früh zur Fachdidaktik der Biologie, später dann zur Naturwissenschaftsdidaktik bzw. science education. Sie leitete Nationalfonds-Projekte, z.B. Discussing the nature of science in small groups (DINOS) [http://www.research-projects.uzh.ch/p12195.htm [02.05.2018]] (2009–2012), und beteiligte sich an internationalen Forschungsvorhaben, z.B. mit kidsINNscience – researching innovation in science education [http://www.research-projects.uzh.ch/p13556.htm [02.05.2018]] (2009–2013).

Ihre Schwerpunkte Naturwissenschaftsdidaktik und Umweltbildung führte sie an der internationalen Tagung „Science | Environment | Health“, die ihr Lehrstuhl 2010 an der Universität Zürich ausrichtete, zusammen (Zeyer & Kyburz-Graber 2012). Daneben widmete sich Regula Kyburz-Graber vermehrt auch aktuellen allgemeindidaktischen Themen, wie dem selbst organisierten Lernen und dem fächerübergreifenden Unterricht, sowie der Lehrerinnen- und Lehrerbildungsforschung.

Die Verknüpfung von Theorie und Praxis

Die Verknüpfung von Theorie und Praxis und die Unterrichtsentwicklung durch die Lehrpersonen selbst waren Regula Kyburz-Graber immer ein grosses Anliegen (Kyburz-Graber 2014, S. 10). Hierbei entwickelte sie den Ansatz „Reflective practice“ (vgl. z.B. Kyburz-Graber et al. 2006). Von Bedeutung war auch die Fallstudienforschung, zu welcher sie einen vielbeachteten methodologischen Aufsatz vorlegte (Kyburz-Graber 2004). Im Zeichen der Unterrichtsentwicklung standen, neben Forschungsarbeiten und Expertisen, auch Unterrichtsmaterialien und Handreichungen für Lehrpersonen, darunter: „Ökologie im Unterricht“ (basierend auf ihrer Dissertation; Kyburz-Graber 1978), „Challenges in Teacher Education“ (Kyburz-Graber et al. 2003), „Handeln statt hoffen“ (Kyburz-Graber et al. 2010), „Wege zum guten fächerübergreifenden Unterricht“ (Caviola et al. 2011), „Archaeopteryx – Wie aus einer rätselhaften Versteinerung naturwissenschaftliches Wissen wird“ (Kyburz-Graber 2013), „Unterrichtssituationen meistern“ (Brugger & Kyburz-Graber 2016).

Lehre an der Universität Zürich

Regula Kyburz-Graber lehrte im Rahmen der Lehrpersonenausbildung für die gymnasiale Sekundarstufe II. Das Ziel ihrer Lehre war ein professioneller Blick der Lehrdiplom-Studierenden auf ihr eigenes Unterrichten, ein „Bewusst-Werden“ (Kyburz-Graber 2014, S. 2). Neben der Einführungsvorlesung in die Allgemeine Didaktik und dem Kolloquium für Diplomkandidatinnen und -kandidaten führte sie Lehrveranstaltungen zu ihren Forschungsthemen durch, z.B. zu Gruppenarbeit, selbständigem Lernen, Naturwissenschaftsdidaktik, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Ressourcen und Belastungen im Lehrberuf.

Prof. Dr. Regula Kyburz-Graber trat am 31. Juli 2014 in den Ruhestand. Sie ist weiterhin als Forscherin und Referentin aktiv (z.B. Kyburz-Graber 2016, vgl. auch ihre Website [http://www.ife.uzh.ch/de/ueberuns/emeriti/kyburzgraberregula.html [07.05.2018]]).

Von Regula Kyburz-Graber betreute Dissertation an der Universität Zürich

2014

Brugger, Patric

Einflussgrössen auf die Einstellung von Schüler/innen der gymnasialen Sekundarstufe II gegenüber dem naturwissenschaftlichen Unterricht im Allgemeinen und gegenüber dem Chemieunterricht im Besonderen: eine empirisch-multimethodische Untersuchung

Vgl. Dissertationsdatenbank 1956-2017

Quellen und Literatur

  • Brugger, P. & Kyburz-Graber, R. (2016). Unterrichtssituationen meistern. 20 Fallstudien aus der Sekundarstufe II. Bern: hep.
  • Caviola, H., Kyburz-Graber, R. & Locher, S. (2011). Wege zum guten fächerübergreifenden Unterricht. Ein Handbuch für Lehrpersonen. Bern: hep.
  • Kyburz-Graber, R. (1976). Das Verständnis für ökologische Zusammenhänge im Wald: eine empirische Untersuchung über Lehr- und Lernbedingungen im Oekologieunterricht. Unveröffentlichte Dissertation Naturwissenschaften ETH Zürich, Nr. 5844. Zugriff am 02.05.2018 unter https://doi.org/10.3929/ethz-a-000112868
  • Kyburz-Graber, R. (1978). Ökologie im Unterricht. Versuche zu einem Lehrkonzept über das Ökosystem Wald. Frankfurt a.M.: Verlag Moritz Diesterweg Otto Salle.
  • Kyburz-Graber, R., Gingins, F. & Kuhn, U. (1995). Environment and school initiatives in Switzerland. Final report. Zürich: vdf.
  • Kyburz-Graber, R., Rigendinger, L., Hirsch Hadorn, G. & Werner Zentner, K. (1997). Sozio-ökologische Umweltbildung (Serie Umweltbildung, Bd. 12). Hamburg: Krämer.
  • Kyburz-Graber, R., Posch, P. & Peter, U. (Hrsg.). (2003). Challenges in Teacher Education. Interdisciplinarity and Environmental Education. Wien: Studienverlag.
  • Kyburz-Graber, R. (2004). Does case-study methodology lack rigour? The need for quality criteria for sound case-study research, as illustrated by a recent case in secondary and higher education. Environmental Education Research, 10(1), 53-65.
  • Kyburz-Graber, R., Hart, P., Posch, P. & Robottom, I. (Hrsg.). (2006). Reflective Practice in Teacher Education. Learning from Case Studies of Environmental Education. Bern: Peter Lang Verlag. 
  • Kyburz-Graber, R., Nagel, U. & Odermatt, F. (Hrsg.). (2010). Handeln statt hoffen. Materialien zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung für die Sekundarstufe I. Zug: Klett und Balmer Verlag. 
  • Kyburz-Graber, R. (Hrsg.). (2013). Archaeopteryx – Wie aus einer rätselhaften Versteinerung wissenschaftliches Wissen wird. Zürich: Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Zürich. Zugriff am 07.05.2018 unter http://www.swisseduc.ch/biologie/archaeopteryx/index.html
  • Kyburz-Graber, R. (2014). „Die einschneidendste Erfahrung ist ein Bewusst-Werden“. Abschiedsvorlesung. Universität Zürich (21.05.2014). Zugriff am 26.04.2018 unter http://www.ife.uzh.ch/dam/jcr:00000000-28d3-947c-ffff-ffffd792dd5c/Abschiedsvorlesung_m_F_r_RKG_21-05-2014.pdf
  • Kyburz-Graber, R. (2016). Case study research on higher education for sustainable development: epistemological foundation and quality challenges. In M. Barth, G. Michelsen, M. Rieckmann & I. Thomas (Hrsg.), Routledge Handbook of Higher Education for Sustainable Development (S. 126-141). New York: Routledge.
  • Zeyer, A. & Kyburz-Graber, R. (2012). Science|Environment|Health. Towards a renewed pedagogy for science education. Dordrecht: Springer. 

Autorenschaft

Christine Gerloff-Gasser

Zeitmarke

01.09.1998