Walter Guyer (1892–1980)

Abstract

Walter Guyer war ein Schweizer Pädagoge, Lehrer, Professor am Seminar Rorschach und Direktor am Kantonalen Oberseminar Zürich.

Walter Guyer wurde am 27.8.1892 in Zürich als Kind von Rudolf und Margaretha Guyer geboren. Nach Abschluss der Sekundarschule trat er 1908 ins Lehrerseminar Küsnacht ein. 1914 wurde er in Horgen als Lehrer an die Mittel- und Oberstufe gewählt und unterrichtete dort achteinhalb Jahre. Parallel dazu studierte er zwischen 1916 und 1921 Philosophie, Psychologie und Pädagogik in Zürich und Paris. Sein bedeutendster Lehrer war in dieser Zeit Gotthold F. Lipps, bei dem er 1920 auch seine Dissertation in Psychologie zum Thema Das Tonerlebnis – Eine psychologische Studie auf Grund von Versuchen ablegte. 1922 immatrikulierte er sich erneut, um sich zum Sekundarlehrer in sprachlich historischer Richtung auszubilden. Die Unterrichtspraxis besuchte er bei Hans Stettbacher, der ihm später auch die Gelegenheit zur Mitarbeit an der Gesamtausgabe Pestalozzis Schriften bot. 1925 lehrte Guyer im Schulhaus Hirschengraben und wurde bereits nach einem Jahr zum Lehrer an der Sekundarschule Zürich gewählt (vgl. Grunder 2007; Müller 2005).

1926 heiratete Guyer Erna Hausheer, die ebenfalls das Seminar in Küsnacht besuchte, den Lehrberuf jedoch nie ausübte. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor (vgl. Müller 2005).

Ab 1928 unterrichtete Guyer am Seminar Marienberg in Rorschach die Fächer Pädagogik und Psychologie. Bereits Ende desselben Jahres wurde er jedoch für die Übernahme dieser Fächer an der Sekundarlehramtsschule St. Gallen vorgeschlagen, weshalb er ab diesem Zeitpunkt an zwei Orten unterrichtete. 1939 wurde er in St. Gallen zum Hauptlehrer für Pädagogik und deutsche Sprache und Literatur und gleichzeitig zum Direktor der Sekundarlehramtsschule ernannt (vgl. Müller 2005).

Im Januar 1941 erfolgte Guyers Berufung zum Direktor des Kantonalen Lehrerseminars Basel-Stadt. 1942 wählte der Regierungsrat des Kantons Zürich Guyer zum „Hauptlehrer und Vorsteher der Abteilung für berufliche Bildung der kantonalen Lehrerbildungsanstalt (Oberseminar) mit dem Titel eines Direktors durch Berufung“ (FBP, Regierungsrat des Kantons Zürich 1942).

Zwei von Guyers Studierenden, die besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Pädagogik erbrachten, waren Bärbel Inhelder und Hans Aebli. Guyer war jedoch nicht nur als Lehrer tätig, sondern publizierte viele wissenschaftliche Arbeiten, die sich grob in die zwei Pole Leben und Werk Pestalozzis und das demokratische Wesen der Schweizer Schulen einteilen lassen (vgl. UAZ AL.7.080, Nachfolge 1948).

Unter anderem wegen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stand er 1948 mit Leo Weber in der Auswahl zur Nachfolge Stettbachers, dessen Professur für pädagogische Disziplinen auf zwei Extraordinariate aufgeteilt werden sollte. Die Philosophische Fakultät sah Guyer für die «Gebiete der Pestalozzi-Interpretation, der schweizerischen Schulgeschichte und der Didaktik der Sekundarlehramtsschule und für die Betreuung der Sekundarlehramtskandidaten» (UAZ AL.7.080, Nachfolge 1948, S. 30) vor. Doch da ihn hauptsächlich die Lesung der systematischen Pädagogik interessiert hätte und diese ihm nicht zugesprochen wurde, lehnte er das angebotene Extraordinariat ab (vgl. Müller 2005).

1958 ging Guyer in Pension. Am 5. Mai 1980 starb er im Alter von 88 Jahren in Männedorf (vgl. Müller 2005).

Publikationen (Auszug)

Guyer, Walter. (1932). Pestalozzi. Frauenfeld: Huber.

Guyer, Walter. (1934). Demokratie, Schule und Erziehung (Vol. Nr. 12, Kleine Schriften des Schweizerischen Lehrervereins). Zürich: Schweiz. Lehrerverein.

Guyer, Walter. (1936). Erziehungsgedanke und Bildungswesen in der Schweiz = L'éducation en Suisse. Tendances et réalisations. Frauenfeld: Huber.

Guyer, Walter. (1944). Die Erziehungsgrundlagen im allgemeinen. Basel: V.S.K.

Guyer, Walter. (1946). Wege zu Pestalozzi. Zürich: Zwingli-Verlag.

Guyer, Walter. (1967). Wie wir lernen. Versuch einer Grundlegung. Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch.

 

Für eine detaillierte Darstellung von Leben und Werk Walter Guyers wird auf die Dissertation von Walter Müller (2005) verwiesen.

Literatur und Quellen

UZH Archiv (UAZ)

AL.7.080, Pädagogik: Nachfolge Prof. Stettbacher (1948-1949), Bericht und Antrag, 3.6.1948.

Forschungsbibliothek Pestalozzianum (FBP):

Nachlass Guyer, allg. Korrespondenz 1940–1942. Regierungsrat des Kantons Zürich. Mitteilung an W. Guyer. 18.6.1942.

Grunder, Hans-Ulrich. (2007). Guyer, Walter, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D9028.php

Müller, Walter. (2005). Walter Guyer, Leben - Werk - Wirkung. Diss. Universität Zürich.

Autorenschaft

Nina Hüsler

Zeitmarke

1948