Willy Freytag (1873–1944)

Der 1873 in der deutschen Kleinstadt Jüterbog geborene Willy Freytag wurde auf das Sommersemester 1910 von der Universität Bonn nach Zürich berufen. Sein Hauptaugenmerk galt während seiner akademischen Laufbahn der Geschichte der Philosophie sowie der systematischen Philosophie. In eigenen Schriften, aber auch in Vorlesungen und Seminaren befasste sich Freytag in seiner Zeit in Zürich mit Fragen der Ethik und Logik, er widmete sich wiederholt der Erkenntnistheorie und setzte sich auch mit der Transzendenz-Thematik aus einem philosophischen Blickwinkel auseinander. Über 20 Jahre unterrichtete Freytag in Zürich zu Vorlesungsthemen wie «Lesen einer ästhetischen Schrift Lessings» (1914/15), «Geschichte der Pädagogik» (1922/23) oder «Geschichte der Philosophie vom Mittelalter bis Kant» (1931/32). Gerne berief er sich dabei auf bedeutende Philosophen wie Aristoteles oder Kant, wovon auch seine Vorlesungs-Titel wie beispielsweise «Aristotelische und symbolische Logik» (WS 1918/19) oder «Geschichte der Philosophie vom Mittelalter zu Kant» (WS 1931/32) zeugen. Zum Lehrauftrag Freytags zählte auch die Geschichte der Pädagogik, wodurch er zur damaligen Zeit Teil der Lehrerausbildung von der Primar- bis zur Gymnasialstufe war. Zu den bedeutendsten Werken Freytags zählen das 1905 veröffentlichte Buch «Die Entwicklung der griechischen Erkenntnistheorie bis Aristoteles» oder die ein Jahr zuvor erschienene logisch-erkenntnistheoretische Untersuchung «Die Erkenntnis der Aussenwelt».

Willy Freytag lehrte bis zu seinem Rücktritt im Herbst 1933 insgesamt 23 Jahre lang am Philosophie-Lehrstuhl der Universität Zürich. Seine Hochschulkarriere in der Schweiz nahm jedoch im Jahr 1933 ein abruptes Ende, nachdem durch die Presse die Sympathien und das aktive Engagement Freytags für den deutschen Nationalsozialismus publik geworden waren. Die «Affäre Freytag» zwang den Dozenten schliesslich zum Rücktritt und zur Rückkehr nach Deutschland, wo er bis zu seinem Tod 1944 in einem Fliegerangriff zusammen mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern lebte.

Von Willy Freytag betreute Dissertationen an der Universität Zürich im Bereich Pädagogik

1911

Jonkoff, Thodor

Nietzsches Idee vom Uebermenschen als Erziehungsideal

1911

Krstitsch, Marko

Rousseaus pädagogische Ansichten im Lichte der gegenwärtigen Erziehungswissenschaft

1912

Geraskoff, Michael

Die sittliche Erziehung nach Herbert Spencer unter Berücksichtigung seiner Moralphilosophie und Entwicklungslehre

1912

Przedborska, Marie Felizia

Das Religionsproblem bei Pestalozzi im Lichte der modernen Bestrebungen

1912

Reichinstein-Zimann, Eugenie

Christian Gotthilf Salzmann und seine Bedeutung für die Pädagogik

1912

Roknic, Ljubiza

Die pädagogischen Ansichten von Comenius in ihrem Verhältnisse zu denen von Pestalozzi

1913

Wartenweiler-Haffter, Fritz

Ein nordischer Volkserzieher. Die Entwicklung N.F.S. Grundtvigs zum Vater der Volkshochschule

1914

Ikonic, Dragomir

Benekes "Erziehungslehre", vom Standpunkte der neueren empirisch-pädagogischen Forschung betrachtet

1914

Rakitsch, Ljubiza

Die häusliche Erziehung in der serbischen Sadruga zur Zeit der türkischen Herrschaft

1927

Kjaer, Holger

Über Familienerziehung und Hausunterricht

1931

Kratzenstein, Julius

Die Pädagogik Friedrich Eberhard von Rochows

Vgl. Dissertationsdatenbank 1899-1955

Publikationen von Willy Freytag (Auswahl)

Freytag, W. (1904). Die Erkenntnis der Aussenwelt. Eine logisch-erkenntnistheoretische Untersuchung. Halle a.d.S.: Niemeyer Verlag.

Freytag, W. (1905). Die Entwicklung der griechischen Erkenntnistheorie bis Aristoteles. In ihren Grundzügen dargestellt von W. Freytag. Halle a.d.S.: Niemeyer Verlag.

Freytag, W. (1916). Untersuchungen zu einer Wissenschaft vom Sittlichen. Halle a.d.S.: Niemeyer Verlag.

Freytag, W. (1924). Die methodischen Probleme der Pädagogik. In: Abhandlungen zur Philosophie und Pädagogik, Heft 3. Leipzig: Reisland.

Freytag, W. (1924). Über den Kantischen Idealismus. In: Abhandlungen zur Philosophie und Pädagogik, Heft 11. Leipzig: Reisland.

Freytag, W. (1929). Religion und Logik. Gespräch zwischen Anselm und Markwart. In: Pädagogisches Magazin, Nr. 1266. Langensalza: Beyer.

Freytag, W. (1933). Ein Bruderschaftsbund vor Jahrtausenden. Das pädagogisch-politische Problem der Pythagoreer. In: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts. Nr. 32/2. Berlin.

Freytag, W. (1935). Irrational oder Rational? Untersuchungen und Entwurf zu einer Deutung. Berlin: Junker und Dünnhaupt.

Quellen und Literatur

Rektorat der Universität Zürich (Hg.): Die Universität Zürich 1933-1983. Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Universität Zürich. Universität Zürich, 1983.

UZH Archiv (UAZ)

AB.1.0285, Dozierendendossier Willy Freytag, Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich, 31.3.1910.

Autorenschaft

Andrea Cattani

Zeitmarke

1910